Qwant vs. Google – unsere Meinung im Tagesspiegel

qwant-vs-google

Ich durfte im Tagesspiegel ein kurzes Statement zur geplanten Kampagne von Qwant abgeben. In dem Artikel von Oliver Voss geht es um die Frage, ob Qwant mit seiner geplanten Werbekampagne Marktanteile von Google abnehmen kann. Meine kurze Antwort dazu ist nein. Die etwas längere Begründung will ich gerne nachliefern.

Als Google groß wurde, waren Suchmaschinen noch eine frühe Technologie. Google war im Vergleich zu den anderen Suchmaschinen signifikant schneller und besser in den Ergebnissen. Die Geschwindigkeit war Google bereits von Beginn an wichtig; die Auslieferung einer Suchseite durfte nie über 0.5 Sekunden liegen. Diesen Wert gibt Google auch heute noch auf seinen Suchergebnisseiten an und erreichen den Wert von unter 0,5 Sekunden häufig. In einer Zeit in der Fireball, altavista & Co. bei locker 3 Sekunden und mehr für die Auslieferung einer Suchergebnisseite lagen, war dies ein klarer Wettbewerbsvorteil. Darüber hinaus waren die Suchergebnisse bei Google auch noch wesentlich besser. Kein Wunder, dass Google in kurzer Zeit zur erfolgreichsten Suchmaschine geworden ist.

Heute allerdings kann Qwant technologisch maximal gleichziehen. Der einzige Vorteil von Qwant  ist, dass sie die Privatsphäre respektieren. Das ist ein valides Argument. Der Datenschutz ist uns zwar grundsätzlich wichtig, aber eher auf einer abstrakten Ebene. Häufig sind wir nicht bereit unsere Bequemlichkeit gegen den Datenschutz zu tauschen. Zumindest nicht in großer Zahl.

Google-SERP-Qwant

Hinzu kommt, dass Google mit Chrome und Android für eine Vielzahl der Nutzer die Default-Suchmaschine ist. Der Nutzer muss sich als bewusst dafür entscheiden, eine andere Suchmaschine zu nutzen. Wenn diese dann “nur” ähnlich gut ist, wird er wieder in seine alten Gewohnheiten zurückfallen. Punkt für Google.

Der Wachstum von Bing ist deshalb auch darauf zurückzuführen, dass sie mit Cortana einen eigenen direkten Zugang zum Nutzer haben. Ebenso mit ihrem Browser, auch wenn dessen Verbreitung heute eher homöopathisch ist. Ganz zu schweigen von den kaum noch vorhandenen Windows-Smartphones.  Dennoch ist die Integration der eigenen Suche in Drittapplikationen mit großer Reichweite der einzige Weg, um signifikante Marktanteile zu kaufen.

Die geplante TV-Kampagne von Qwant hingegen wird wenig bringen. Kaum ein Nutzer wird die Suche seines Handys deswegen umstellen und bis man wieder am Notebook ist, hat man den Spot wieder vergessen. Bestenfalls ruft man Qwant mal im Browser auf und testet die Suche. Aber das war es dann. Das Budget klingt mit 2,5 Millionen Eure einfach wesentlich zu klein. Der Einkauf in eine reichweitenstarke Applikation kostet da wesentlich mehr.

Ist Google deshalb unschlagbar? Nein, es hat sich viel verändert. Spezialsuchen kumulieren immer mehr Suchen auf sich. Die Gefahren für Google kommen also eher von Amazon als Produktsuche oder wären von Youtube als Videosuche ausgegangen, wenn Google Youtube nicht übernommen hätte. Eine reine Websuche wird es gegen Google immer sehr schwer haben.

Qwant vs. Google – unsere Meinung im Tagesspiegel
4 (80%) 9 votes

The following two tabs change content below.

Jens Fauldrath

Geschäftsführender Gesellschafter bei get traction GmbH
Jens Fauldrath ist geschäftsführender Gesellschafter der get traction GmbH und Diplom Informationswirt. Außerdem ist er Dozent für Suchmaschinenoptimierung an der Hochschule Darmstadt und Vorsitzender der Fokusgruppe Search des BVDW. Für Fragen, Rückmeldungen oder Interviews steht Ihnen Jens Fauldrath gerne persönlich zur Verfügung: jens.fauldrath@gettraction.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.