Google Discover 2025
Strategien & Taktiken, die wirklich funktionieren
Vortrag von Jens Fauldrath, gettraction – SMX München, März 2026
Inhaltsangabe
Google Discover ist kein Wachstumskanal, sondern ein Verdrängungswettbewerb. Wer hier zulegen will, muss präziser arbeiten als der Wettbewerb. Auf Basis von drei Jahren Datenanalyse (2023 – 2024) von 54 Domains, 1,8 Millionen URLs und 6,7 Milliarden Klicks zeigt unsere Präsentation von der SMX München 2026, welche langfristigen Trends sich manifestieren.
Wichtiger Hinweis
Korrelation ist nicht gleich Kausalität.
Alle gezeigten Zusammenhänge sind statistische Beobachtungen aus unserem ETL-Reporting-Framework – nicht zwingend Ursache-Wirkungs-Ketten. Wir leiten daraus belastbare Hypothesen ab, keine Dogmen!
Was die Branche macht: Die Discover-Umfrage 2025
In Kooperation mit dem Trisolute News Dashboard haben wir 75 Publisher und Berater:innen befragt. Die wichtigste Erkenntnis: Das Bewusstsein für Daten und Datenanreicherung in Discover ist in zwei Jahren massiv gewachsen.
Datenbewusstsein wächst rasant
2023 nutzten nur 27 % der befragten Publisher angereicherte Discover-Daten zur Auswertung. 2025 sind es bereits 64 %. Die Datenanreicherung ist von der Kür zur Pflicht geworden – wer heute noch nur die nackten GSC-Werte anschaut, fliegt im Blindflug.
Die beliebtesten Optimierungsmaßnahmen
72 % der Publisher setzen auf Republishing als wichtigste Optimierung. Dahinter folgen Title-Optimierung (64 %), Bildoptimierung (48 %), das gezielte Bespielen von Entitäten (24 %) und Open-Graph-Tuning (20 %).
Besonders auffällig: Die von den Teilnehmern eingeschätzte Erfolgsquote von Republishing als Optimierungsmaßnahme ist gestiegen, und zwar von 80 % (2023) auf 90 % (2025). Republishing hat sich als Taktik in der Discover-Optimierung endgültig etabliert.
Hier gibt es die kompletten Ergebnisse unserer Discover-Umfrage 2025.
Reichweite in Discover: Verdrängungswettbewerb
Die Gesamtreichweite von Google Discover ist über die letzten drei Jahre stabil. Wachstum geht damit nur noch über Verdrängung der Wettbewerber.
Die strategische Konsequenz
Effizienz schlägt Menge. Wer seinen Optimierungsstand nicht kennt, weiß nicht, ob er wachsen kann oder verteidigen muss. Der Republishing-Faktor ist seit drei Jahren konstant – Wachstum kommt jetzt aus besseren Inhalten, nicht aus mehr Inhalten.
2023 waren 72% aller Artikel mit Discover-Leistung am Publikationstag bereits in Discover.
2025 sind es 86%. Google entscheidet schneller, ob ein Artikel in Discover ausgespielt wird oder nicht. Das verkürzt das Optimierungsfenster dramatisch.
Wir unterscheiden vier Publisher-Typen: Reichweiten-Portale (werbefinanziert, oft regional verankert, überregionale Themen), Regional (Abo + Werbung), Qualitätsmedien (überregional, Politik/Wirtschaft) und Magazine (Special Interest, klare Zielgruppe).
Reichweiten-Portale liefern mit knapp 10 % die höchste CTR und mit 6.861 Klicks pro URL bzw. 15,622 Klicks pro Artikel-ID den Spitzenwert. Regionalmedien performen mit 7,53 % CTR und 2.208 Klicks pro URL deutlich schwächer pro Artikel, was der lokalen Ausrichtung geschuldet ist. Mit überregionalen Themen können diese kaum Abos generieren, weshalb diese für regionale Verlage weniger relevant sind.
Wichtig: Es gibt keine universellen Discover-Benchmarks. Wer sich nicht innerhalb seines Publisher-Typs vergleicht, vergleicht Äpfel mit Birnen – und setzt sich falsche Ziele.
Discover vs. Search: Zwei Kanäle, eine Strategie?
Bei News-Publishern stammen im Median 77 % der Google-Klicks aus Discover, nur 23 % aus der klassischen Suche. Der Anteil schwankt zwischen den Publisher-Typen aber zwischen 67 % (Regionalmedien) und 82 % (Reichweiten-Portale).
Auf Gesamtebene liegt die Korrelation zwischen Discover- und Search-Klicks bei 0,74 – stark positiv. Schaut man aber auf einzelne Publisher-Typen, ergibt sich ein völlig anderes Bild:
- Reichweiten-Portale liegen bei 0,96: Search und Discover bewegen sich praktisch parallel, ein Einbruch in einem Kanal zieht den anderen mit. Dies spricht dafür, dass man hier nahe am Maximum des für die Anbieter möglichen Discover-Traffics ist.
- Magazine kommen auf 0,78, getragen durch klaren thematischen Fokus. Hier besteht die größte Übereinstimmung zwischen den Themen, die in Search zu Klicks führen und denen, die in Discover zu Klicks führen.
- Regionalmedien fallen auf -0,05; Push-Themen in Discover entkoppeln sich hier weitgehend von Pull-Themen aus der Suche.
- Qualitätsmedien rutschen sogar auf -0,55: Search bricht durch SERP-Features wie AI Overviews ein, Discover wächst gegen den Trend. Was vor allem daran liegt, dass man Discover noch nicht zum Maximum des Möglichen getrieben hat.
Überaggregierung ist Dein Feind
Eine pauschale Aussage „Search und Discover hängen zusammen“ ist auf Gesamtmarkt-Ebene richtig – für Ihre Publikation aber möglicherweise falsch. Analysiert die Korrelation immer auf eurer eigenen Datenbasis!
Republishing: Der wichtigste Hebel
Der Anteil von Republishings am gesamten Discover-Traffic ist von 33 % (2023) auf 38 % (2025) gestiegen. Damit ist Republishing die mit Abstand wirksamste taktische Optimierungsmaßnahme.
Stabilisator für Traffic-Schwankungen
Original-URLs zeigen eine Tagesvolatilität von rund 16 %. Republishings nur 8 %. Wer einen festen Republishing-Stamm aufbaut, kauft sich Stabilität in einem volatilen Kanal.
Wer setzt am stärksten auf Republishing?
Magazine generieren 69 % ihres Discover-Traffics über Republishings. Reichweiten-Portale 48 %. Regional liegt bei 29 %, Qualitätsmedien nur bei 21 % – nicht jeder Inhalt eignet sich gleich gut zum Wiederveröffentlichen. Polizeimeldungen z. B. sind zu aktualitätsgetrieben; Magazine arbeiten oft mit dezidierten Republishing-Formaten.
Republishing-Faustregel aus den GSC-Daten
Hohe Impressions + hohe CTR: Echtzeit-Traffic prüfen. Wenn ausreichend, nicht republishen.
Hohe Impressions + niedrige CTR: Titel und Aufmacherbild optimieren – auch wenn Impressions stark sind.
Mehrfaches Republishing: Lohnt sich. Die Hälfte aller Republishing-URLs entfällt auf das erste Republishing – die Klicks pro Republishing steigen aber mit jeder Wiederholung.
Tag 2 ist der Peak: Die meisten Klicks fallen am zweiten Tag an. Ab Tag 9 stabilisiert sich der Traffic bei langfristig angelegten Formaten.
VID & TMD: Wie lange leben Storys in Discover?
Wir messen zwei Kennzahlen: TMD (Tage mit Discover-Leistung) zählt die Tage, an denen eine Artikel-ID Klicks erhält. VID (Verweildauer in Discover) misst die Spanne zwischen erstem und letztem Discover-Tag. Aus dem Verhältnis ergeben sich drei Republishing-Profile:
- News: kurze VID, kurze Lücken – klassische tagesaktuelle Berichterstattung.
- Evergreen-Republishing: lange VID, kleine Lücken – Inhalte, die immer wieder gepusht werden.
- Saisonales Republishing: lange VID, lange Lücken – Themen, die in bestimmten Zeiträumen gerepublisht werden.
Publikationsmenge & Effizienz
Agenturmeldungen machen nur 5,3 % der URLs in Discover und 3,21 % der Klicks aus. Die durchschnittliche Klick-Leistung pro Agentur-URL liegt mit 1.725 Klicks rund 40 % unter dem Wert eigener Redaktionsartikel.
Gründe: Agentur-Titel sind selten Discover-tauglich, die Themen liegen oft außerhalb der eigenen thematischen Autorität, und ohne klare Domain-Bindung fehlt das E-E-A-T-Signal.
Magazine & Special-Interest-Seiten sind die Gewinner 2025
Bei Magazinen liegt die Discover-Durchdringung 2025 bei fast 100 %. Klarer thematischer Fokus, dezidierte Discover-Formate und eine tiefere Zuordnung von Nutzerinteressen zahlen sich aus.
Selbst klassische Qualitäts-Domains profitieren, wenn sie Discover-Formate aufbauen. Wiederkehrende Inhalte und Formate können optimiert werden und Nutzer bauen über die Zeit eine Erwartungshaltung auf, diese beim jeweiligen Publisher zu finden. Was ein idealer Startpunkt für Micro- Abonnements sein kann.
Die Discover-Falle für Magazine
Wenn Inhalte zur Domain unpassend sind und trotzdem funktionieren, werden sie verstärkt produziert und gerepublisht. Der thematische Fokus geht verloren, E-E-A-T-Signale passen nicht mehr und Google entfernt die Domain im schlimmsten Fall komplett aus Discover.
Konkrete To-Dos: Fremdthemen löschen, inhaltliche Ausrichtung wiederherstellen, klare Themenkernkompetenzen bewahren.
Die drei Autoritäten: Was 2025 wirklich zählt
Discover belohnt 2025 keine generischen Inhalte mehr. Wer dauerhaft performen will, muss in drei Autoritätsdimensionen sichtbar sein:
Thematische Autorität
Den Anspruch haben, einer der Besten zu werden, der ein Thema abdeckt. Klar definieren, aus welcher Perspektive und für welche Zielgruppe berichtet wird. Der Leser muss wissen, welche Art von Berichterstattung mit welcher Perspektive er erwartet.
Regionale Autorität
Prüfen, welche regionalen Inhalte zu Abonnements führen, Service-Inhalte performen meist besser als News. Themen wie Polizei, Streiks, ÖPNV, Verkehr oder „Was steht an?“ binden Nutzer. Aus regionaler Autorität lassen sich überregionale Reichweitenthemen spielen – aber nur mit klarem Fokus.
Autoren-Autorität
Themen und Formate konkreten Autor:innen zuordnen, individuelle Stärken nutzen. Vorsicht bei Urlauben, da erfahrungsgemäß Vertreter:innen die Inhalte nicht erfolgreich in Discover platzieren können. Besser ist es, Inhalte vorproduzieren oder Evergreens in dieser Zeit verstärkt zu republishen. Mit sameAs in Autorenangaben und Wikidata-Profilen die Signale der Autor:innen zusammenführen hilft hier. Vor allem, wenn Autorenprofile vorheriger Arbeitgeber online sind oder sie mehrfach in WikiData gelistet sind.
Das Discover-Mindset 2025
Seid Destination! Andere Traffic-Quellen bleiben wichtig, denn Discover hebelt vorhandenen Traffic. Inhalte, die in den ersten vier bis acht Stunden auch außerhalb von Discover Reichweite bekommen, performen in Discover meist besser. Klärt drei Fragen: Wofür stehen wir? Wer ist unsere Zielgruppe? Was erwartet sie? Denkt zusätzlich über Micro-Abonnements nach!
Fazit: Was zu tun ist
Discover ist schneller in der Übernahme von Artikeln, enger in der Themenauswahl und unversöhnlicher gegenüber generischen Inhalten geworden. Wer wachsen will, kommt um drei Hausaufgaben nicht herum:
- Datenbasis schaffen: Angereicherte Discover-Daten auswerten, nach Ressorts und Formaten segmentieren.
- Republishing strategisch nutzen: Nicht als Trick, sondern als stabilisierendes Format mit klaren Regeln für CTR, Impressions und vor allem Themenschwerpunkte.
- Thematische, regionale und Autoren-Autorität aufbauen: Fremdthemen löschen, eigene Kernkompetenzen schärfen, Autor:innen sichtbar machen.
Sofort-Start für die nächste Woche
Schnappt euch in der Google Search Console eine Woche aus dem letzten Monat. Prüft jeden Artikel: Welche Inhalte sind inhaltlich republishing-fähig? Welche haben hohe Impressions, aber niedrige CTR und brauchen ein neues Aufmacherbild und eine neue Zeile? Welche Themen passen gar nicht zu eurer thematischen Autorität?
Diese Liste ist euer Discover-Optimierungsplan für diese Woche! Und nächste Woche wieder von vorne.